G.V. Liederkranz 1882 Berkach
Happy Voices
Dieser Artikel erschien am 04.08.2020 im Groß-Gerauer Echo:
„Ohne Chorgesang entstünde große Leere“
Der Wallerstädter Helmut Happel ist seit 60 Jahren Chorleiter und dienstältester Dirigent im Sängerkreis Groß-Gerau
Von Charlotte Martin
GROSS-GERAU. Es ist schier unglaublich: 58 Jahre ist Helmut Happel Chorleiter im Gesangverein (GV) Liederkranz Berkach, seit 33 Jahren parallel dazu Chorleiter des Frauen-, Männer- und Gemischten Chors der SKV Mörfelden. Los ging’s mit seiner im Lauf der Jahre zehn Chöre umfassenden Chorleitertätigkeit bereits vor 60 Jahren.
„Ich hatte den Chorgesang als musikalische Sparte, in der ich mich engagieren könnte, gar nicht im Sinn“, erzählt Helmut Happel schmunzelnd. „Ich war 24 Jahre jung und spielte damals leidenschaftlich Trompete in einer Bigband, als mich morgens ein guter Bekannter aus dem Bett klingelte. Er meinte vorsichtig, ich würde doch Noten lesen können und der Männerchor der Teutonia suche einen Chorleiter“, erzählt Happel von jener entscheidenden Morgenstunde.
„So kam’s, dass ich 1960 beim Männerchor der Teutonia anfing, denn ich wollte die Wallerstädter nicht hängen lassen.“ Daraus wurden 43 Jahre Dirigat. Seine Ehrung für 40 Jahre Chorleitung erfolgte 2006 bei der 200-Jahrfeier der Teutonia.
1962 sei der Liederkranz Berkach dazugekommen, damals ein reiner Männerchor, dessen Sangeskraft leider nicht mehr ausreichte, sodass Helmut Happel die Männerstimmen in dem von ihm neu begründeten gemischten Chor noch mal zur Blüte brachte. 2017 war aus Altersgründen das Ende des Gemischten Chors unumgänglich. „Ein tragfähiger Chor braucht zwölf bis 16 Sänger, drei pro Stimme“, erläutert Happel. Bestand haben aber die „Happy Voices“, die „Fröhlichen Stimmen“ des Liederkranz‘ mit modernem Repertoire. Happel: „Wir hatten es uns mit dem Ende des Gemischten Chors nicht leicht gemacht, aber der Chorklang war weg. In der Blütezeit waren es 35 Aktive. Nirgendwo habe ich Chorproben und Gemeinschaft so nett erlebt wie in Berkach.“
Dies ist bis heute so: Happel, der die Vereinsgeschichte des 138 Jahre alten Gesangvereins prägte wie kein Zweiter, sagt: „In der Corona-Krise halten wir trotz allem das Band, singen in Videokonferenzen nach Computervorgabe Lieder, die ich für die einzelnen Stimmen arrangiere. Das ist ein Notbehelf, aber immerhin.“
Im Freien zu proben, halte er für schwierig, so Happel: „Draußen verfliegt der Chorklang. Und: Die Sänger der ‚Happy Voices’ sind 50 bis 70 Jahre alt, mancher gehört zur Corona-Risikogruppe.“ Auch, dass seine Sängerschar der SKG Mörfelden derzeit nicht proben könne, bedaure er sehr. „Auf Dauer ohne Chorgesang – da entstünde für mich eine große Leere“, sagt Helmut Happel.
Eine besondere Freude sei es für ihn stets, Chorsätze zu arrangieren und die Stimmen – Bass, Tenor, Alt, Sopran – in aktuellen Liedern so zu schreiben, dass diese trotz hohem Anspruch von Laien gesungen werden können: Er schreibe seinen Chören die Lieder quasi auf den Leib.
Helmut Happel war hauptberuflich Lehrer, unterrichtete in Trebur. Später war er in der Lehrerausbildung tätig. Auch leitete er lange Zeit die Kinder- und Jugendchöre von Liederkranz und Teutonia. Das pädagogische Gespür kommt ihm als Chorleiter zugute: „Neben Musikalität und gutem Gehör braucht man Geduld, sollte ein verträglicher, ausgleichender Mensch sein und nie entmutigen.“ Schöne Stimmen erfreuten ihn freilich besonders, sagt er. Doch er weiß: „Als Chorleiter habe ich mit unterschiedlichen Charakteren in unterschiedlicher Stimmung zu tun.“ Chorsingen sei Musizieren mit Leib und Seele, sodass wohlklingendes Volumen entstehe, sagt Happel abschließend.
VERDIENSTE
Zu den von Helmut Happel im Lauf der Jahre dirigierten Chören gehörten die Bruderkette Astheim, der Klub Harmonie Rüsselsheim, der MGV Mozart Trebur, Frohsinn Langen, der Chor Rümmelsheim (bei Bad Kreuznach) und die Teutonia Wallerstädten.
Chorleiter ist er heute bei der SKV Mörfelden und im Liederkranz 1882 Berkach.
2006 wurde Happel für 40 Jahre Chorleitertätigkeit der Teutonia geehrt, 2012 für 50 Jahre beim GV Liederkranz Berkach sowie auch für 25 Jahre Chorleitertätigkeit bei der SKV Mörfelde geehrt. 2012 erhielt Helmut Happel eine Auszeichnung der Stadt Groß-Gerau für „Stetigkeit und Verdienste um das Kulturgut Gesang und das Engagement in der Kinder- und Jugendchorarbeit“.
Die feierliche Ehrung des dienstältesten Chorleiters im Sängerkreis Groß-Gerau soll noch 2020 erfolgen. (lot)
Happy Voices
G.V. Liederkranz 1882 Berkach
Dieser Artikel erschien am 04.08.2020 im Groß-Gerauer Echo:
„Ohne Chorgesang entstünde große Leere“
Der Wallerstädter Helmut Happel ist seit 60 Jahren Chorleiter und dienstältester Dirigent im Sängerkreis Groß-Gerau
Von Charlotte Martin
GROSS-GERAU. Es ist schier unglaublich: 58 Jahre ist Helmut Happel Chorleiter im Gesangverein (GV) Liederkranz Berkach, seit 33 Jahren parallel dazu Chorleiter des Frauen-, Männer- und Gemischten Chors der SKV Mörfelden. Los ging’s mit seiner im Lauf der Jahre zehn Chöre umfassenden Chorleitertätigkeit bereits vor 60 Jahren.
„Ich hatte den Chorgesang als musikalische Sparte, in der ich mich engagieren könnte, gar nicht im Sinn“, erzählt Helmut Happel schmunzelnd. „Ich war 24 Jahre jung und spielte damals leidenschaftlich Trompete in einer Bigband, als mich morgens ein guter Bekannter aus dem Bett klingelte. Er meinte vorsichtig, ich würde doch Noten lesen können und der Männerchor der Teutonia suche einen Chorleiter“, erzählt Happel von jener entscheidenden Morgenstunde.
„So kam’s, dass ich 1960 beim Männerchor der Teutonia anfing, denn ich wollte die Wallerstädter nicht hängen lassen.“ Daraus wurden 43 Jahre Dirigat. Seine Ehrung für 40 Jahre Chorleitung erfolgte 2006 bei der 200-Jahrfeier der Teutonia.
1962 sei der Liederkranz Berkach dazugekommen, damals ein reiner Männerchor, dessen Sangeskraft leider nicht mehr ausreichte, sodass Helmut Happel die Männerstimmen in dem von ihm neu begründeten gemischten Chor noch mal zur Blüte brachte. 2017 war aus Altersgründen das Ende des Gemischten Chors unumgänglich. „Ein tragfähiger Chor braucht zwölf bis 16 Sänger, drei pro Stimme“, erläutert Happel. Bestand haben aber die „Happy Voices“, die „Fröhlichen Stimmen“ des Liederkranz‘ mit modernem Repertoire. Happel: „Wir hatten es uns mit dem Ende des Gemischten Chors nicht leicht gemacht, aber der Chorklang war weg. In der Blütezeit waren es 35 Aktive. Nirgendwo habe ich Chorproben und Gemeinschaft so nett erlebt wie in Berkach.“
Dies ist bis heute so: Happel, der die Vereinsgeschichte des 138 Jahre alten Gesangvereins prägte wie kein Zweiter, sagt: „In der Corona-Krise halten wir trotz allem das Band, singen in Videokonferenzen nach Computervorgabe Lieder, die ich für die einzelnen Stimmen arrangiere. Das ist ein Notbehelf, aber immerhin.“
Im Freien zu proben, halte er für schwierig, so Happel: „Draußen verfliegt der Chorklang. Und: Die Sänger der ‚Happy Voices’ sind 50 bis 70 Jahre alt, mancher gehört zur Corona-Risikogruppe.“ Auch, dass seine Sängerschar der SKG Mörfelden derzeit nicht proben könne, bedaure er sehr. „Auf Dauer ohne Chorgesang – da entstünde für mich eine große Leere“, sagt Helmut Happel.
Eine besondere Freude sei es für ihn stets, Chorsätze zu arrangieren und die Stimmen – Bass, Tenor, Alt, Sopran – in aktuellen Liedern so zu schreiben, dass diese trotz hohem Anspruch von Laien gesungen werden können: Er schreibe seinen Chören die Lieder quasi auf den Leib.
Helmut Happel war hauptberuflich Lehrer, unterrichtete in Trebur. Später war er in der Lehrerausbildung tätig. Auch leitete er lange Zeit die Kinder- und Jugendchöre von Liederkranz und Teutonia. Das pädagogische Gespür kommt ihm als Chorleiter zugute: „Neben Musikalität und gutem Gehör braucht man Geduld, sollte ein verträglicher, ausgleichender Mensch sein und nie entmutigen.“ Schöne Stimmen erfreuten ihn freilich besonders, sagt er. Doch er weiß: „Als Chorleiter habe ich mit unterschiedlichen Charakteren in unterschiedlicher Stimmung zu tun.“ Chorsingen sei Musizieren mit Leib und Seele, sodass wohlklingendes Volumen entstehe, sagt Happel abschließend.
VERDIENSTE
Zu den von Helmut Happel im Lauf der Jahre dirigierten Chören gehörten die Bruderkette Astheim, der Klub Harmonie Rüsselsheim, der MGV Mozart Trebur, Frohsinn Langen, der Chor Rümmelsheim (bei Bad Kreuznach) und die Teutonia Wallerstädten.
Chorleiter ist er heute bei der SKV Mörfelden und im Liederkranz 1882 Berkach.
2006 wurde Happel für 40 Jahre Chorleitertätigkeit der Teutonia geehrt, 2012 für 50 Jahre beim GV Liederkranz Berkach sowie auch für 25 Jahre Chorleitertätigkeit bei der SKV Mörfelde geehrt. 2012 erhielt Helmut Happel eine Auszeichnung der Stadt Groß-Gerau für „Stetigkeit und Verdienste um das Kulturgut Gesang und das Engagement in der Kinder- und Jugendchorarbeit“.
Die feierliche Ehrung des dienstältesten Chorleiters im Sängerkreis Groß-Gerau soll noch 2020 erfolgen. (lot)